Tiefrot endet der Tag

Wochenlang lag alles da in Grautönen
Das Licht am Morgen
Das Holz der Stämme
Meine Haut im Spiegel
Ein Jahr, das sein Verfallsdatum überschritten hatte und keine Farbe mehr in den
Lagerstätten der Monate
Nur fahle Reste in Umbra und Granit
Selbst Weiß war Schlamm
Und dann, am ersten Januarabend, öffnete sich die Tür und ein Vorrat an Rot drängte durch den Spalt des Dezemberkellers in den Himmel
Da waren sie, flossen hinab wie Kirschsaft
und Tinte, so verschwenderisch, dass man fast Angst bekommen konnte es bliebe nichts übrig für all die anderen langen Tage
und die Farben tasteten nach meinen Wangen
als haben sie an diesem Abend ein ganzes Leben nachzuholen.

